Immer weniger Alleen in Deutschland.
BUND und ASG fordern Alleenschutz im kommenden Umweltgesetzbuch zu verankern

Gemeinsame Pressemitteilung vom 13. August 2008

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Alleenschutzgemeinschaft (ASG) forderten heute, den Alleenschutz deutschlandweit im Umweltgesetzbuch und in den Landesnaturschutzgesetzen zu regeln. Bisher seien Alleen außer in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gar nicht oder nur unzureichend durch die Ländergesetze geschützt. Als ein unverzichtbarer Lebensraum für viele Tierarten, als Erosions- und Windschutz sowie Feinstaubfilter bedürften Alleen jedoch eines besonderen Schutzes. Um Pflege- und Schutzmaßnahmen bestimmen zu können, müsse der Alleenbestand bundesweit erfasst und bewertet werden. Bisher gebe es für wenige Bundesländer verlässliche Zahlen. In Brandenburg seien die Alleen nach aktuellen Erhebungen in den letzten fünf Jahren von 12000 Kilometer auf 8000 Kilometer geschrumpft. In Mecklenburg-Vorpommern sei der Altbestand seit 1990 jährlich um etwa 80 Kilometer zurückgegangen, der aktuelle Bestand liege bei rund 4300 Kilometer Alleen. Deutschlandweit gebe es aktuell geschätzte 23000 Kilometer Alleen.

Gefährdet seien Alleebäume vor allem durch Straßenbau, unsachgemäße Schnittmaßnahmen und das Tausalz des Winterdienstes. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Alleen leisten einen unschätzbaren Beitrag für den Umwelt- und Naturschutz. Sie sind Heimat vieler zum Teil auch gefährdeter Tiere, sie verbinden Lebensräume und filtern Schadstoffe aus der Luft. Der Rückgang der Alleen muss deshalb sofort gestoppt werden." Wirksame Maßnahmen wären beispielsweise die Verwendung von Splitt oder Kies statt Tausalz und eine Reduzierung des Schwerlastverkehrs. Statt für breitere Straßen jährlich tausende Alleebäume zu fällen, wäre ein Tempolimit von 80 km/h ein weit wirksameres Instrument, um mehr Verkehrssicherheit zu erreichen.

Der ASG-Vorsitzende Ingo Lehmann forderte, den Alleenschutz bei Straßenbau- und Unterhaltungsmaßnahmen stärker zu berücksichtigen. "Gerade in Ostdeutschland werden alte Baumbestände unwiederbringlich abgeholzt oder durch Fällung zehntausender Bäume pro Jahr ausgedünnt, um Straßen nach Bundesnorm zu verbreitern. Die Ersatzbepflanzungen erfolgen jedoch noch nicht einmal im Verhältnis von 1 zu 1 und können die Funktionen der Alleebäume im Biotopverbund nicht ersetzen. Wir brauchen eine flexiblere, an die örtlichen Gegebenheiten und unterschiedlichen Straßenkategorien angepasste Anwendung der Bundesnorm, damit nicht mehr Bäume als unbedingt notwendig verschwinden." Kurzfristig müssten entstandene Großlücken neu bepflanzt werden.

Zur Finanzierung von Neuanpflanzungen und der Pflege von Alleebäumen schlagen BUND und ASG vor, dem Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns zu folgen und Alleenfonds einzurichten.

Pressemitteilung als PDF (22k)

Zu den Eckpunkten einer nachhaltigen bundesweiten Alleenstrategie der ASG (PDF 50k).