Fotos: Rüdiger Herzog

Alleebaumpflanzung an der Straße Stradow – Burg/Spreewald

9. September 2004


von Cornelia Behm, MdB

Alleen prägen die brandenburgische Kulturlandschaft. Sie sind ein Stück Heimat für die Bewohner und sie entzücken unsere Besucher. Wir wollen unsere Alleen erhalten – das scheint Konsens in Brandenburg zu sein.

Eine kritische Alleenschau beweist das Gegenteil. Zahlreiche Alleen sind nur noch Schatten ihrer selbst, die Bäume stark geschädigt oder gar am Absterben. Das liegt nicht nur an ihrem Alter, sondern auch an äußeren Einflüssen. Vor allem Salz und dilettantische Baumschnittmaßnahmen gefährden die Alleen. Nachpflanzungen finden kaum statt. Wir brauchen daher eine konsequente und wirksame Politik für Alleen im Land Brandenburg und auf Bundesebene.

Als Bundestagsabgeordnete habe ich mich im Bewusstsein dieser Probleme der Al- leenschutzgemeinschaft angeschlossen. Gemeinsam mit anderen Umwelt- und Ver- kehrspolitikern will ich auf Bundesebene Zeichen für Schutz und Neuanlage von Al- leen setzen. Fachveranstaltungen, Pflanzaktionen und vielfältige Öffentlichkeitsarbeit sollen das Augenmerk breiter Bevölkerungsschichten und von Entscheidungsträgern auf den Wert, aber auch die Bedrohung unserer Alleen lenken.

Noch sind die aktuellen Gefährdungen durch die „Empfehlungen zum Schutz vor Un- fällen mit Aufprall auf Bäume" und die „Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme", kurz ESAB und RPS genannt, nicht vom Tisch. Hinter diesen sperrigen Namen verbergen sich Richtlinienentwürfe, die Neuanpflan- zungen von Alleen an Straßen weitgehend verhindern würden oder nur noch hinter Schutzplanken ermöglichen. Ich bitte unseren Umweltminister Jürgen Trittin darum, sich persönlich und zusammen mit seinem Ministerium gegen die bestehenden Richtlinienentwürfe der ESAB und RPS einzusetzen.

Der zukünftige Landschaftscharakter vieler brandenburgischer Regionen hängt auch davon ab, ob und wie Nachpflanzungen von Alleen erfolgen. Nach dem gemeinsa- men Erlass des Verkehrs- und Umweltministeriums aus dem Jahr 2000 sind Neuan- pflanzungen im Abstand von weniger als 4,5 m zum befestigten Fahrbahnrand an Bundes- und Landesstraßen in Brandenburg nicht möglich. Das ist aber ein Abstand, bei dem kaum noch ein Kronenschluss der Bäume möglich und damit der Alleecha- rakter herzustellen ist. Weniger wäre hier mehr!

Auch in einem zweiten Punkt ist die Landesregierung in der Verantwortung: Das seit 2001 jährlich steigende Nachpflanzdefizit muss endlich ausgeglichen werden. Ver- kehrssicherheit darf nicht als Grund gegen jegliche Neupflanzung an Bundes- und Landesstraßen herhalten. Verkehrssicherheit ist uns ein Grundanliegen. Sie kann auch in Alleen hergestellt werden, wenn alle Verkehrteilnehmer verantwortlich han- deln. Sie als Argument gegen Alleen anzuführen, wäre ein Zeichen von Ideen- und Hilflosigkeit. Da erwarten wir von einer zukünftigen Landesregierung deutlich mehr.

In Mecklenburg-Vorpommern besteht seit 1994 eines Alleenschutzfonds. Das ist eine sinnvolle Einrichtung, die sich dort sehr gut bewährt hat. Wir brauchen in Branden- burg auch einen Alleenschutzfonds. Die Straßenbauämter könnten Ausgleichsabga- ben in diesen Fonds einzahlen; Verkehrsexperten und Naturschutzfachleute würden über die Verwendung der Mittel entscheiden.

Auch die Allee von Stradow nach Burg hätte in dieser Weise finanziert werden kön- nen. In diesem konkreten Fall bin ich froh, dass Minister Trittin gemeinsam mit uns für diesen Straßenabschnitt eine Lösung gefunden hat. Das hat uns schließlich hier heute versammelt.

Im Landtag werde ich mich nach der bevorstehenden Wahl für eine zukunftsfähige Alleenpolitik einsetzen. Damit unsere brandenburgische Kulturlandschaft erhalten bleibt.

Cornelia Behm ist Mitglied des Deutschen Bundestages und stv. Sprecherin AG Ost Bündnis 90/Die Grünen Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft




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